Mein erstes Mal…im Müngersdorfer Stadion

Aufstieg 2014

Ich könnte jetzt erzählen, welch einschneidendes Erlebnis mein erster Stadionbesuch war. Dass ich damals schon wußte, dass dieses Erlebnis mein Leben prägen würde. Oder dass Effzeh episch gegen die Bauern aus Gladbach gewann oder mein Opa mir nach dem ersten gemeinsamen Spielbesuch anerkennend auf die Schulter klopfte und mir mit Pipi in den Augen seine Dauerkarte überreichte, damit ich die Familientradition weiterführen würde.

Das würde sich zwar ganz wunderbar anhören,wäre aber glatt gelogen. Die Wahrheit ist nämlich, ich erinnere mich beim besten Willen nicht daran. Ich muss grob im Grundschulalter gewesen sein. Damals spielte ich in der D oder C-Jugend des SV Wacker Merkenich und stand lieber selbst auf dem Platz. Auf jeden Fall ich also noch ziemlich jung und die Bedeutungsschwere dieses Tages war mir damals nicht bewusst – Mea culpa.

Woran ich allerdings sehr gut erinnern kann, ist der tiefe Schmerz des ersten Abstieges. Ab diesem Tag stellte ich alle mir vermittelten Wahrheiten in Frage, denn schließlich war der 1. FC Köln der beste Verein und viel zu geil um jemals abzusteigen. Dachte ich. Wie gesagt, eine schmerzhafte Erinnerung.

Bekenntnis erneuert

Da gibt es aber einen anderen, einschneidenden Stadionbesuch. An diesem Tag erneuerte ich mein Bekenntnis zum 1. FC Köln und betrat nach zwei Jahren zum ersten Mal wieder die heiligen Hallen in Müngersdorf. Ich war wieder zu Hause  angekommen, in meinem ganz persönlichen Wohnzimmer mitten im Grüngürtel.

Der Traum vom Auslandsstudium trieb mich für ein Jahr nach Prag. In der ersten Woche meines Sprachkurses, besuchte ich – organisiert von der TU Prag – ein Heimspiel von Sparta Prag. Damit war mein weiteres fußballerisches Schicksal in der Goldenen Stadt besiegelt. Einem Monat wohnte ich im Studentenwohnheim, dann zog ich in eine WG direkt am Letna-Stadion, der Spielstätte von Sparta Prag und verpasste seitdem ein Jahr lang kein Heimspiel. Besonders tolle Erfahrungen waren die Prager Stadtderbys gegen Slavia. Eins davon fand sogar im alten Slavia-Stadion statt, dass man diesem Nachmittag wortwörtlich von den Fans beider Lager schon einmal abgerissen wurde, ehe die Bagger anrollten.

Fußballverzicht in den USA

Im direkten Anschluss verschlug er mich für ein Jahr nach Michigan, USA und ich stetlle mir regelmäßig samstags den Wecker auf 9:20, denn um 9:30 wurde über das Internet Bundesligakonferenz auf WDR2 gehört. In diese – für mich wirklich schwierige Fußballverzichtszeit- fiel auch eine Karnevalssession. Die erste Karnevalssession, die ich komplett verpasst habe. Ich musste mich mit Light-Beer und Radio-Köln Livestream über Wasser halten. An einem gebrochenen Herz laborierte ich trotzdem.

Spilldach in Müngersdorf

Lange Rede, kurzer Sinn: Am 21. August 2011 war es dann soweit, Spilldach in Müngersdorf. Nach einem Auftakt- und Pflichtsieg in Meuselwitz, stand für den Effzeh der erste Heimsieg an. Ausgerechnet gegen die Inzucht Müngersdorfer Stadionaus der Pfalz. Durch unglückliches Anstehen am Bierstand (man stellt sich doch immer dort an, wo es am längsten dauert) verpasste ich die bis dato schnellste Rote Karte der Ligageschichte, die sich Mohamad in der 2. Minute einfing. So wunderte ich mich naiv über die Kölner Unterzahl, bis mich ein „Glücklicher“, der einen vollen Bierbecher in der Hand hielt, aufklärte. Immerhin pünktlich zum 1:0 durch Novakovic stand auch ich -glückselig und absolut Effzeh-hungrig – neben meinen Freunden im Block. Mein Glück währte bis zur 70. bzw. 84. Minute. Es war jeweils Lakic, der traf und dem Effzeh den ersten Heimsieg der Session vermieste. Ilicevic versetzte dem Effzeh in der 88. Minute dann im Alleingang den Todesstoß. 3:1 verlor der 1. Fußballclub Köln an diesem eigentlich wunderschönen Tag in Müngersdorf.

Neu geboren war allerdings meine Liebe für diesen Verein, der sich nicht unterkriegen lässt. Nicht, dass sie in den vorigen zwei Jahren gelitten hätte, aber seit diesem Tag habe ich kaum ein Heimspiel mehr verpasst. Auch auswärts bin ich so oft es geht dabei und unterstützte diesen geilen Verein. E Leeve lang!

(Dieser Beitrag erschien im Fanzine „Kölsch Live“, der Mitgliederzeitschrift des Kölner Fan-Projekts, abrufbar unter https://www.fans1991.de/download/kl95_web.pdf)

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